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Heilig-Geist-Hospital Bingen: Was die Krankenhaus-Mitarbeitenden in Zeiten von Corona bewegt

„Da können auch wir einmal schwach sein“

H.WiegersDer Pfarrer der Katholischen Pfarrgruppe Bingen, Markus Lerchl, (2.v.l.), und die Krankenhausseelsorgerin des Evangelischen Dekanats Ingelheim-Oppenheim, Sylvia Winterberg (1.v.r.) überreichen Schwestern des Heilig-Geist-Hospitals Rosen als Geste der Dankbarkeit.

Die 210 Rosen waren als Geste gedacht. Eine Geste der Dankbarkeit für das, was seit den nunmehr fast anderthalb Jahren der Corona-Pandemie von den Mitarbeitenden in den Krankenhäusern geleistet wird.

Die 210 Rosen waren als Geste gedacht. Eine Geste der Dankbarkeit für das, was seit den nunmehr fast anderthalb Jahren der Corona-Pandemie von den Mitarbeitenden in den Krankenhäusern geleistet wird. Gleichzeitig war die Überreichung der Rosen durch die evangelische Krankenhausseelsorgerin des Dekanats Ingelheim-Oppenheim, Sylvia Winterberg, und den Pfarrer der Katholischen Pfarrgruppe Bingen, Markus Lerchl, an die Pflegenden und Ärzt:innen des Binger Heilig-Geist-Hospitals (HGH) auch eine Gelegenheit, die Auswirkungen der Pandemie auf den Arbeitsalltag Revue passieren zu lassen.

 

Weaning-Station des Heilig-Geist-Hospitals betreut Corona-Patient:innen

Stellvertretend für ihre Kolleg:innen berichtete Fachkrankenschwester Carmen Zissel in einer kleinen Runde mit den beiden Geistlichen und der Pflegedirektorin des Heilig-Geist-Hospitals Barbara Lerche darüber, was derzeit so alles auf den Schultern der Pflegekräfte und Ärzt:innen für an Corona Erkrankte lastet. Carmen Zissel arbeitet in der sog. Weaning Station des HGH. Dort werden seit Sommer 2020, seitdem das Haus nicht mehr Schwerpunktkrankenhaus für Corona ist und den regulären Krankenhausbetrieb wieder aufgenommen hat, die schwer an Corona erkrankten Patienten in Bingen gepflegt.

 

Mitarbeitende kommen an ihre Belastungsgrenzen

Vor Corona wurden in der Weaning-Station des HGH vor allem Patient:innen nach einem langen Intensivaufenthalt mit künstlicher Beatmung von einem interdisziplinären Team langsam von den Beatmungs- und Intensivgeräten entwöhnt und ins Leben zurückbegleitet. Seit Ausbruch der Pandemie kommt das Wissen dieses hochqualifizierten Teams den an Corona Erkrankten zugute. Doch trotz dieses Wissens und aller Routine im Umgang mit Schwerstkranken kamen auch die Mitarbeitenden in Bingen in den vergangenen 15 Monaten oft an ihre Belastungsgrenzen. Insbesondere, wenn man, wie Carmen Zissel berichtet, „bis an den Rand der Erschöpfung alles rund um die Uhr gegeben hat und trotzdem den Menschen nicht retten konnte.“

 

Das schlimmste ist das Gefühl der Ohnmacht

„Gerade bei Corona“, so erklärt Pflegedirektorin Lerchel, „lässt sich die Krankengeschichte sehr schlecht vorhersehen. Sie ist manchmal wie eine Achterbahn und hinterlässt bei den Mitarbeitenden oft ein Gefühl der Ohnmacht.“ Dazu kommt, dass die Quarantäne den Kontakt der Erkrankten zu ihren Angehörigen fast unmöglich macht. Manchmal klingelt das Telefon auf der Station rund um die Uhr, weil die Familien sich sorgen. „Als Pflegende müssen wir oft bei den Patient:innen auch Aufgaben übernehmen“, berichtet Carmen Zissel, „die sonst die Familie übernimmt, wir müssen sie trösten und motivieren.“ Die Ärzt:innen und Pflegekräfte erfahren zeitweise durch eine Mitarbeitende der Mathilde-Mickler-Stiftung wertvolle Unterstützung, doch die meiste Zeit müssen sie in der oft angespannten Arbeitssituation die Patient:innen auch psychisch unterstützen, stark sein, Optimismus verbreiten. Das ist schwer.

 

Manchmal hilft schon ein Schutzengelchen aus Holz

Umso offener ist man für ein Gesprächsangebot der Krankenhausseelsorge, wie es Pfarrerin Winterberg im HGH an zwei Tagen in der Woche und zusätzlich noch auf Anfrage anbietet: „Im Gespräch mit der Krankenhausseelsorge können auch wir einmal schwach sein“, erzählt Carmen Zissel und mit einem dankbaren Lächeln in Richtung von Pfarrerin Winterberg ergänzt sie, „und da hilft manchmal auch ein hölzernes Schutzengelchen als kleines, aufmunterndes Geschenk.“

 

Auf dem Rochusfest soll der Corona-Opfer gedacht werden

Pfarrerin Winterbergs katholischer Kollege, Pfarrer Markus Lerchl, war in der Corona-Anfangs- und -Hochzeit über eine Telefonsprechstunde für die Mitarbeitenden des HGHs ansprechbar. Nun ist er flexibel über ein Notrufhandy erreichbar und erlebt, wenn er zu einer Krankensalbung oder einer Aussegnung ins Krankenhaus gerufen wird, ebenso die Nöte und Sorgen der Menschen im HGH – Patient:innen wie Pflegenden. Für das kommende Rochusfest im August plant er, dass die dem Heilig-Geist-Hospital zugehörige Kapuzinerkirche neben der Rochuskapelle zum zweiten Standbein der Rochusoktav wird. Ab dem 16. August soll für 10 Tage der ehemalige Chorraum der Kirche als Ort des Gebets für die Opfer der Pandemie zur Verfügung stehen. An der Kirche soll deswegen nicht nur die Rochusprozession halt machen und ein Gefäß, in dem die Bitten der HGH-Patient:innen und –Mitarbeitenden sowie der Binger Bürger:innen auf kleinen Zetteln gesammelt werden, auf den Rochusberg mitnehmen. In der Kapuzinerkirche soll auch ein ökumenischer Gottesdienst am 16. August als Eröffnung des Gedenkens gefeiert werden. Den Abschluss bildet ein ebenfalls ökumenischer Gottesdienst am Donnerstag des Rochusfestes (26. August).

 

„Hinter jedem einzelnen Kranken verbergen sich herzzerreißende Geschichten“

Pfarrerin Winterberg hat außerdem noch eine ganz praktische Idee, um die Pflegekräfte auf der Station zu entlasten und den Patient:innen, die aufgrund der künstlichen Beatmung nicht sprechen können, den Kontakt zur Familie zu erleichtern: Sie wünscht sich, dass pro Krankenstation jeweils ein oder zwei Tablets angeschafft würden. Damit könnten die Patient:innen von Zeit zu Zeit auch selbst Kontakt zu ihren Angehörigen aufnehmen. Bewegt berichtet sie, dass gerade in Zeiten von Corona jeder Trost braucht, ob nun medizinisches Team, Patient:innen oder Angehörige: „Die Pandemie macht uns sehr deutlich, dass sich hinter jedem einzelnen Kranken oft herzzerreißende Geschichten verbergen.“

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